Bremskolben der Festsattelbremse (Brembo) gängig machen

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Vorbemerkung: Ich empfehle diese Arbeit nur Leuten, die im Umgang mit Bremsanlagen routiniert sind und wissen, worauf es dabei ankommt. Handwerkliche Fehler und falsches Werkzeug können dazu führen, dass die Bremsanlage beschädigt wird oder unvermittelt ausfällt. Falscher Ehrgeiz kann zu schweren Unfällen mit den entsprechenden Folgen für sich und andere führen. Im Zweifelsfall lasst bitte die Finger davon.

Unabhängig davon: Ich gebe keine Gewähr, dass dieser Beitrag frei von Fehlern ist. Wer dieser Anleitung folgt, handelt auf eigene Verantwortung.

Obwohl die 2-Ventiler BMWs eigentlich echte Nutzfahrzeuge sind, werden viele von ihnen heute noch selten gefahren. Das führt unter anderem dazu, dass die Bremskolben in den Sätteln über viele Jahre nur in einem engen Bereich minimal bewegt werden. Dadurch klebt der Bremskolben am Dichtring an und in den Ringnuten sammelt sich Bremsstaub. So kann es passieren, dass die Bremse plötzlich nicht mehr richtig löst. Dann schleift der Belag permanent an der Scheibe, was zu Geräuschen und im Ernstfall zu Überhitzung der Bremsscheibe und der Beläge führt. Um das zu vermeiden, sollte man den Bremskolben beim alle zwei notwendigen Wechsel der Bremsflüssigkeit etwas „Gymnastik“ gönnen. Dabei wird er über einen deutlich größeren Bereich bewegt als im normalen Gebrauch.

Bevor Du die Arbeit beginnst: Sei bereit für eine Komplettüberholung des Sattels. Und: Sollte die Bremse einen echten Korrosionsschaden durch eine lange Ruhezeit ohne Bremsflüssigkeitswechsel haben - besser nicht. Scheibenbremsen sind robust gebaute Hydraulikanlagen, aber nicht unzerstörbar. Man sollte erkennen können, ob die Bremse funktionsfähig ist oder nicht.

Los geht's: Du hast einen Festsattel mit zwei hydraulisch gekoppelten Kolben. Drückst Du einen rein, fließt die verdrängte Bremsflüssigkeit zurück in den Vorratsbehälter oder auf die andere Seite des Sattels - Weg des geringsten Widerstands. Bei einer Zweischeibenbremse wird zunächst ein Sattel vollständig überarbeitet bevor Du mit dem zweiten beginnst.

Benötigt wird frische Bremsflüssigkeit, ein Auffanggefäß für Bremsflüssigkeit, ein gekröpfter Ringschlüssel SW 10, ein Schlauch, der auf den Entlüfternippel der Bremszange passt, ein 4mm und ein 6 mm Durchschlag, kleines Reifenmontiereisen aus dem Bordwerkzeug, ein Hammer und Bremsbelagpaste, ggf. neue Bremsbeläge.

Zunächst wird der Bremsflüssigkeitsbehälter bis auf einen ganz kleinen Rest vor dem Schnüffelloch entleert und mit frischer BFL aufgefüllt. Die Abdeckung über dem Belagschacht des Bremssattels wird abgenommen, Haltestifte (mit 4mm Durchschlag), Spannstift und Feder werden entfernt, dann der Belag auf einer Seite herausgenommen und

1.) auf der Seite ohne Belag den Kolben mit zwischengehaltenem 6mm Dorn oder ähnlichem vorpumpen bis Kolben am Dorn anliegt.

2.) Entlüfterschraube auf dieser Seite öffnen und den Kolben zurückdrücken (Montiereisen) Dabei tritt Bremsflüssigkeit aus, die abgeleitet werden muss (Schlauch, Auffanggefäß).

3.) Entlüfterschraube schließen und Kolben nochmal wie oben beschrieben vorpumpen. Darauf achten, dass keine Luft in die Leitung gepumpt wird. Ggf BFL nachfüllen.

Solange 1-3 wiederholen, bis frische Bremsflüssigkeit austritt, dann Belag mit Bremsenpaste auf den Anlageflächen einsetzen und vorpumpen.

Auf der anderen Seite die Prozedur wiederholen.

Jetzt ist die Bremse frisch gefüllt, Beläge und Kolben sind gängig und die Bremsscheibe wird wahrscheinlich wieder frei laufen.

Sollte irgendwo ein Leck sein, muss der Sattel instandgesetzt werden.

Frank im Juni 2018