Radlager wechseln

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Bevor man das Rad ausbaut, alle benötigten Teile und Werkzeuge besorgen

Teile

  • 2 Kegelrollenlager 30203 oder 30203A BMW-Nr.: 07 11 9 985 005 oder 36 31 1 237 779
  • 2 Radsimmeringe 22x40x7 (Lippendichtring)

BMW-Nr.: 36 31 1 230 334

  • 2 Radlager-Druckhülsen

BMW-Nr.: 36 31 1 230 781 bis Nr 36 31 1 231 249

  • 4 – 10 Radlagerdistanzringe zwischen 6,0 und 7,0 mm [Bild 03] (Es gibt 19 verschiedene für die normalen Modelle und 13 exklusiv für die 90/s! Wer sicher gehen will, kauft alle für sein Modell oder dreht sie selbst nach Bedarf)

Werkzeuge

  • einen Brenner
  • eine außen abgeschliffene Lagerschale eines alten Lagers (z.B. das, was du ausgebaut hast) [Bild 02]
  • zwei große Nüsse als Einschlagwerkzeuge (30-32, Größe vorher ausprobieren) oder wer hat: den Original BMW-Einschlagdorn
  • ein Distanzrohr 18mm Innendurchmesser, 60-65mm lang
  • einen Innenauszieher 30-40 mm [bitte genauer!]
    • Entweder den kompletten Kukko-Abzieher mit Abstützklauen oder als Ersatz für die Abstützvorrichtung
  • ein Rohr mit 58mm Innendurchmesser ca. 160-200mm lang,
  • eine M10 Gewindestange möglichst hart, mehrere M10 Muttern,
  • eine solide Stahlscheibe mit Loch die das Rohr verdeckt.(das kann man dann auch für’s Lenkkopflager benutzen, aber das ein anderer Wiki-Artikel)
  • weiterhin einen ordentlichen Hammer, Knarrenverlängerung, dicken Schraubenzieher, Spitzzange, SW17 Schraubenschlüssel, Steckachsen mit Mutter, Schublehre oder besser Mikrometerschraube, Kugellagerfett, mehrere frische Lappen,
  • Schachteln zum Ablegen der Teile [Bild 01]

Lager ausbauen

  • Den Druckring vor dem Simmering mit einem Schraubenzieher rausheben. [Bild 04 und 05]
  • Den Druckring auf Laufspuren im Simmering prüfen. Hat er Rillen, muss er gewechselt werden.
  • Dann den Simmering selbst mit Kraft in kleineren ruckartigen Schritten aushebeln. Der Simmering ist danach hin, auch wenn es nicht unbedingt so aussieht. [Bild 06]
  • Jetzt lässt sich der Innenring des Lagers ohne weiteres herausnehmen. Den erst mal in einer sauberen Schachtel ablegen. [Bild 07]
  • Um den Lageraußenring herauszuziehen, muss die Nabe ordentlich geheizt werden. Zwar dehnt sich der Ring auch aus,aber nur halb soviel wie das Alu. Also heizen und warten. [Bild 08]
  • Wenn man sich nicht sicher ist, ob die Temperatur reicht, hilft die Spuckeprobe: Spucke auf den Finger und kurz an die Nabe getippt. Wenn's zischt ist die Temperatur erreicht. Wenn nicht - weiterheizen! [Bild 9]
  • Jetzt muss es einigermaßen schnell gehen, sonst kühlt sich die Nabe wieder ab! Den Innenabzieher einsetzen und festspannen. [Bild 10]
  • Das dicke Distanzrohr aufsetzen und die M10 Gewindestangen einsetzen [Bild 11 und 12]
  • und die Lagerschale ausziehen. [Bild 13] oder die Original-Abstützvorrichtung aufsetzen und die Lagerschale ausziehen.
  • Wenn die Lagerschale allzu leicht herausging: Die Lagerschale mit leichten Schlägen wieder eintreiben. Prüfen, ob man sie mit den Fingern im Sitz drehen kann. Wenn nein - Glück gehabt!

Wenn sich die Lagerschale mit den Fingern im Sitz der Nabe bewegen lässt, ist der Sitz beschädigt. Da gibt es zwei Lösungen:

    • a) die neue Lagerschale mit Loctite einkleben (hilft bei wenig Spiel)
    • b) bei einem Oldtimerhändler Lager in Übergröße

kaufen (Rabenbauer, Uli Seiwert usw.) Dazu muss man aber herausbekommen, welche Übergröße man braucht - Messen und hoffen!

  • Den Außenring auf Laufspuren prüfen: Die Lauffläche darf sich nicht von der blanken Fläche darüber oder darunter unterscheiden. Sollte das Lager völlig in Ordnung sein, stellt sich die Frage: Warum habe ich das Rad auseinander genommen? Hat das zweite Lager Laufspuren? Im Zweifelsfall wechseln! Dann muss man den aufgehobenen Innenring auch gleich wegschmeißen um Verwechselungen zu vermeiden.
  • Jetzt lässt sich das Zwischenrohr mit dem Distanzring herausnehmen. [Bild 14]
  • Das alte Fett gründlich entfernen. Den Distanzring herausnehmen und vermessen. [Bild 15]
  • Die Dicke des Rings aufschreiben, am besten auf den entfetteten Ring selbst.
  • Die ganze Prozedur mit der anderen Seite wiederholen!
  • Einen der alten Lagerringe ringsherum mit einem Schleifbock verkleinern. Prüfen, ob er mühelos in den Sitz fällt, ansonsten weiterschleifen.


Lagerringe wieder einsetzen

Das ist der schwierigste Teil der Operation und verlangt volle Konzentration! Wer es noch nie gemacht hat, sollte diesen Teil der Anleitung mehrmals lesen bis er ihn auswendig kann. Alle Teile bereit legen:

  • die neuen Lageraußenringe getrennt von den Innenringen auf sauberem Lappen
  • die abgeschliffenen Lagerschale zum Nachschlagen
  • die passenden Nuss mit Verlängerung zum Einschlagen
  • Den Hammer
  • den Brenner mit Feuerzeug

Hilfreich ist es, den Lageraußenring vorher in einem Tiefkühler abzukühlen. Vor Beginn des Einschlagens muss er aber griffbereit liegen. Los geht’s!

  • Die Nabe wieder aufheizen. – Fingerprobe!
  • Die Nuss mit Verlängerung in die linke Hand nehmen (für Linkshänder umgekehrt)
  • Die neue Lageraußenschale in die Nabe parallel ansetzten – richtig herum (so dass man den Innenring noch einlegen kann!) die Nuss mit Verlängerung sofort mittig darauf ansetzen!
  • Die Nuss weiter in der linken Hand halten.
  • Den Hammer in die rechte Hand und zügig (aber nicht hektisch) einschlagen. Der Lagerring muss parallel reingehen ohne zu verkanten. Ist der Lagerring ein wenig schief, mit entsprechenden Schlägen gerade treiben. (Will der Ring ohne Gewalt nicht gerade sitzen: Erneut heizen und mit dem Abzieher wider heraus! - Keine Schande!)
  • Wenn die Nuss auf der Nabe anschlägt, die abgedrehte Lagerschale aufsetzen und bis zum Anschlag eintreiben. Den Anschlag hört man deutlich am dumpferen Klang der Schläge. [Bild22]
  • Pause machen und nachdenken! Hat alles geklappt? - dann
  • Das ganze noch mal mit der anderen Seite.

Ausdistanzieren

Die Simmeringe noch nicht einbauen! Um zu prüfen, ob das Rad leicht läuft, stören sie bei der Messung und beim Ein- und Ausbau der Distanzringe.

  • Eine Lagerschale reichlich fetten. [Bild 16]
    • den dazugehörigen Innenring einsetzen. [Bild 17]
  • Eine Hand unter das Rad legen; mit der anderen das Lager festhalten und

das Rad vorsichtig umdrehen.

  • Das Abstandsrohr mit dem alten Distanzring einsetzen.
  • Die Steckachse einspannen.
  • Wieder mit der einen Hand unter das Rad greifen und es vorsichtig

auf die Steckachse heben.

  • Den anderen Lagerinnenring auf die Achse stecken, den Druckring hinterher. [Bild 18]
  • Das 18mm-Distanzrohr aufsetzen, Radunterlegscheibe und Radmutter ansetzten.
  • Die Mutter mit den Fingern so weit wie möglich festdrehen.
  • Gaaanz lasch mit dem Schraubenschlüssel festziehen. [Bild 19]
  • Prüfen ob sich das Rad auf der Achse noch kippeln lässt.
  • Wenn ja: Mutter festziehen und erneut prüfen.

Lässt sich das Rad immer noch etwas kippeln, Rad wieder von der Achse heben (Vorsicht, den unteren Innenring festhalten!). Oberen Innenring abnehmen, Distanzring mit Spitzzange herausnehmen [Bild 20] und gegen einen kleineren auswechseln. [Bild 21] – Erneut prüfen.

  • Wenn sich das Rad nicht kippeln lässt, das Rad mit der Hand ordentlich zum rotieren bringen. Solange das Rad sich dreht, die Mutter fester schrauben. Bleibt das Rad dadurch stehen, erneut anschmeißen. Bleibt das Rad wieder stehen klemmt das Lager; d.h. der Distanzring ist zu klein. Rad wieder von der Achse heben (Vorsicht, den unteren Innenring festhalten!). Oberen Innenring abnehmen, Distanzring mit Spitzzange herausnehmen und gegen einen größeren auswechseln. – Erneut prüfen.
  • Lässt sich das Rad leicht drehen und bleibt nicht gleich wieder stehen, die Radmutter fester anziehen. Bleibt das Rad immer noch nicht stehen, sondern trudelt friedlich aus, ist das Rad korrekt ausdistanziert.
  • Wenn das Rad sich kippeln lässt oder klemmt, muss der Distanzring solange gewechselt werden, bis das Rad spielfrei läuft aber nicht klemmt. Das kann bedeuten, dass man die ganze Prozedur 4 oder noch mehr Male wiederholen muss. Das erfordert Geduld! Im ungünstigen Fall hat man den benötigten Distanzring nicht und muss neue Ringe nachkaufen. Bei den technischen Daten hier im Wiki [link – bitte die Angabe überprüfen!] habe ich nachgelesen, das die Reibkraft im Lager 0,15Nm (!!!) nicht überschreiten soll. Das bedeutete, wenn man mit einem ein Meter langen Hebel am Rad dreht, dann muss sich das Rad bei 0,15N (entspricht 15 Gramm)in Bewegung setzen. Das Rad hat aber bis zur Felge kaum mehr als 20cm, damit ist der Hebelarm nur noch ein Fünftel. Man müsste das Rad also mit einer Kraft von 0,6-0,75N (entspricht 60-75 Gramm) ganz langsam in Bewegung setzen können. Das ist so gut wie nix!

Rad fertig zusammensetzen

  • Lagerinnenring und Abstandsrohr samt Distanzring wieder herausnehmen.
  • Die Teile einzeln mit reichlich Fett einschmieren und der Reihe nach wieder einsetzen.
  • Den Druckring (ohne Riefen) fetten und von der Rückseite in den Simmering einsetzen.
  • Den Simmering mit dem Druckring vorsichtig in der Nabe ansetzen.
  • Zum Einschlagen jetzt eine Nuss wählen, die etwas größer als der Simmering ist. Besser ist natürlich der Original-Einschlagdorn von BMW!
  • Mit kleinen Schlägen den Simmering eintreiben. Immer wieder die Nuss wegnehmen und kontrollieren, ob der Simmering noch gerade sitzt. Gerne kippt er unter einem Hammerschlag weg. Wenn der Simmering gleich zuerst kippt, noch einmal vorsichtig heraushebeln. Vor dem Wiederansetzten die Ringfeder hinter der Dichtlippe kontrollieren!
  • Sitzt der Simmering fest drin, ist aber trotzdem etwas schief, die Nuss asymmetrisch ansetzen und vorsichtig tiefer treiben. Gelingt das nicht, muss der Simmering wieder heraus und eventuell ein neuer genommen werden.
  • Wem das Eintreiben der Simmeringe immer wieder misslingt, sollte sich den BMW-Dorn anschaffen oder ausleihen.
  • Auf der anderen Seite ebenfalls den Simmering mit Druckring einsetzten.
  • Geschafft!

Rote Rita