Tachoreparatur

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Beschreibung der Reparatur des Tachos einer R45:

Probleme: Tacho sprang bei Geschwindigkeiten so ab 80 aufwärts manchmal um etwa 20 km hoch. Das hat mich nicht sehr gestört, allerdings nur solange, bis irgendwann mal der Sprung so bei 130 oder 140 einsetzte, die Tachonadel zum „Überschlag“ brachte, und als unmittelbare Folge die Tachonadel beim Anschlag an den Ruheanschlag „von hinten“ freundlicherweise abbrach - und zwar direkt hinter der Achsbefestigung (da, wo das Kunststoffteil, das auf der Achse steckt, aufhört).

Tageskilometerzähler ging schon lange nicht mehr, seit einiger Zeit kam der Rückstellpin nach Betätigung nicht mehr ohne Zangeneinsatz zurück nach oben.

Also zwei Alternativen: Neuer Tacho oder Reparatur.

Nun sind ja unsere Tachos grundsätzlich nicht reparabel, oder doch?

1. Tacho öffnen: Von der Rückseite aus mit großem Schraubenzieher GAAANZ vorsichtig den Bördelrand ein klein wenig aufbiegen, anschließend mit einer guten Feile den aufgebördelten Alu- Rand wegfeilen, bis er höhengleich mit dem Blechrand des Tachogehäuses steht. So kriegt man den Alu-Rand ohne jede sichtbare Beschädigung runter (und auch wieder drauf).

2. Jetzt mit Spitzzange vorsichtig die Tachonadel (bei mir den verbliebenen Stummel) senkrecht nach oben abziehen. Stellung braucht man sich nicht zu merken, kommt später.

3. Die drei Halteschrauben auf der Rückseite lösen - jetzt fällt einem das komplette Innenleben, noch als ein Teil, entgegen.

4. Die beiden Gewindeschrauben auf der Tachorückseite herausschrauben, jetzt kann man die innere Rückwand abnehmen und sich auf die Schadenssuche machen.

Und für jene Zeitgenossen, die nicht immer alles bis zum Schluss lesen, bevor sie anfangen: Wenn die Tachonadel abgebrochen war, findet man sie genau jetzt. Garantiert. Nicht früher, nicht später, JETZT. Gefundenes Nadelsegment gut weglegen, verschwindet höllisch leicht, und wer will schon einen Zahnstocher später in seinen Tacho einbauen?!?

5. Tageskilometerzähler reparieren: Bei mir war im Lauf der vergangenen 25 Jahre Feuchtigkeit eingedrungen, die sich freundlicherweise im unteren Bereich des Tachoinnenlebens gesammelt und sich über die Rückstellfeder des Tageskilometerzählers hergemacht hatte. Folge: Feder war völlig verrostet, teilweise zerbrochen, Federteile waren im Tacho auf Wanderschaft.

6. Mit (silkonfreiem !!!) Sprühöl Rückstellmechanismus des Tageskilometerzählers wieder gängig gemacht. Nach Ausbau der Tachoscheibe (zwei Blechschrauben im Ziffernblatt) Halterung des Rückstellstiftes von oben mit den beiden kleinen Schrauben abgebaut, Rückstellmechanismus VORSICHTIG nach oben herausgezogen, verrostete Feder entfernt und durch eine passende neue Feder (so was habe ich nicht auf Vorrat, also Kugelschreiberfeder genommen, passt wunderbar. Vor dem Einbau mit Sprühöl korrosionsschützen.) ersetzen.

7. Rückstellmechanismus wieder zusammenschrauben. Obacht: Testen, ob sich der Mechanismus genug zusammendrücken lässt, um den Tageskilometerzähler auf Null zu setzen. Manchmal ist die Feder zu lang, dann soweit kürzen, das die Zahlenrolle genau dann auf Null springt, wenn die Feder vollständig zusammengedrückt ist, also Windung auf Windung liegt. So hat man einen wunderbaren Anschlag.

8. Am Schneckenrad Kilometerzähler testen. So nach hundert Umdrehungen sollte der Tageskilometerzähler um hundert Meter weitergelaufen sein, wenn der Rückstellmechanismus richtig zusammengesetzt wurde. Wenn nicht: Haben die Arme der Kupferfeder, die die Zahlenrollen andrücken, noch genügend und vor allem gleichmäßig Spannung? Wenn nein: Nachbiegen, wie alle Arbeiten hier GANZ VORSICHTIG.

9. In meinem Fall zerbröselte Federwindungen und sonstigen Schmutz aus dem restlichen Mechanismus entfernen. Zumeist hart gewordenes Fett mit Sprühöl entfernen, alle Lager sorgfältig ölen und wenn nötig gängig machen. Vorschlag: Eine Nacht Öl einwirken lassen.

10. Jetzt noch mal ein paar hundert Runden an der Antriebsschnecke drehen: Zuckt die Tachonadelaufnahme? Drehten sich beide Kilometerzähler? Müsste nach der Ölung und Säuberung aller Lager wesentlich leichter gehen als noch bei Ziffer 8. Wenn die Tachonadel nicht kaputt war, weiter mit Ziffer 13.

11. Tachonadel reparieren: Abgebrochenes Ende war ja noch irgendwo im Gehäuse und wurde spätestens bei Ziffer 4 geborgen (oder?!?). Es preise sich, wer Knetgummi hat. Wer nicht, beginnt jetzt ein Kaugummi schön weich zu kauen. Tachonadel und Mittelteil exakt vor einander, mit der Rückseite nach oben, in die Knetmasse oder das gebrauchte Kaugummi eindrücken und ganz exakt ausrichten. Exakt meint SEHR EXAKT. Wir haben ja alle Zeit der Welt (bei Kaugummi nur ein paar Stunden, aber die reichen ja auch ).

12. Sorgfältig fixierte Teile der Tachonadel mit kleinem Klecks aus Zweikomponentenkleber auf der Rückseite kleben. Empfehlung: Kleber auf Araldit-Basis o.ä., ist bei weitem weniger spröde als der Sekundenkleber, die Tachonadel hält hinterher besser als im Neuzustand. Ein Kleber mit Abbindezeit so um die 20 Minuten ist ganz ideal. Man hat Zeit zum Fixieren und Verteilen und anschließend bis zum Erhärten für ein, zwei Flaschen Bier oder ´ne Kaffeepause, je nach Gusto. Ich schwöre auf Pattex Stabilit Express - zum Kleben, nicht in das Bier oder den Kaffee...

13. Tachoscheibe auflegen, noch nicht festschrauben. Wenn bisher der Tacho arg weit vorging, kommt hier die Chance zur Kalibrierung: Im neutralen Zustand muss die Tachonadel auf den kleinen grünen oder weißen Strich am äußersten Rand des Ziffernblattes unterhalb des Anschlags zeigen. Merken, wo dieser Strich ist, dann Tachoziffernblatt zurückdrehen, bis der Nullanschlag unterhalb des Merkpunktes liegt. Wenn man die angezeigte Geschwindigkeit jetzt noch etwas korrigieren möchte (es gehen ja alle Tachos mehr oder weniger vor), Tachonadel um den gewünschten Betrag gegen den Uhrzeigersinn vor den Nullpunkt ausrichten und ebenso sorgfältig wie senkrecht auf die Aufnahmeachse stecken.

14. Ziffernblatt vorsichtig im Uhrzeigersinn auf Einbauposition drehen, Tachonadel liegt jetzt satt am Nullanschlag. Ziffernblatt festschrauben und die Fingerabdrücke beseitigen (hab ich in meiner Euphorie darüber, dass alles zusammen war und fast keine Teile übergeblieben sind, natürlich vergessen...).

15. Die ordentlichen Menschen unter uns zerlegen jetzt noch die Tachoscheibe in ihrem Deckel und reinigen Glas und Dichtungen sorgfältig, nicht ohne sich die Anordnung von Scheibe, innerer Halterung und der beiden Gummidichtungen zu merken - man staunt, wie viele Kombinationsmöglichkeiten machbar sind, wenn man sich die Original-Anordnung nicht gemerkt hat.

16. Glas aufsetzen, gegebenenfalls Durchführung des Rückstellstiftes leicht fetten. Vaseline auf die Antriebsschnecke (es lebe das Parafin). Tacho auf das Glas legen (ohne den Rückstellstift des Tageskilometerzählers in die Tischplatte zu rammen, also irgendwas unterlegen) und den Alurand der Glasfassung mit einem kleinen, scharfen Hammer mit kleinen Kerben alle paar Millimeter an das Gehäuse anpressen, das hält für die nächsten 25 Jahre.

17. Tacho wieder einbauen, testen (Geschwindigkeit gegen GPS testen, wenn vorhanden, sonst gegen Drehzahlmesser. Müsste besser als vorher sein, wenn die Kalibrierung unter Ziffer 13 richtig gemacht wurde). Fertig. Anmerkung: Ich habe die Kalibrierung (etwas unfreiwillig) am nächsten Tag gegen eine mobile Laser- Geschwindigkeitsmessung einer Trachtengruppe vorgenommen… Ergebnis: Abweichung Tachoanzeige gegen Messwert 2 km/h – das ist doch was!

Ganz sicher war das VIEL zu ausführlich, laienhaft, illegal und entbehrlich. Aber bis auf eine Kugelschreiberfeder, einen Viertelliter Sprühöl und einen Pattex Stabilit Express-Klecks, ein paar Stunden Zeit und einiger Diskussionen mit der besseren Hälfte wegen des besetzten Küchentisches völlig kostenloser Weg zum funktionstüchtigen Tacho...



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